Homöopathie in Armenien

Dr. med. Anna Avagyan, Jerewan, Armenien

Anna Avagyan ist eine homöopathische Ärztin aus Armenien mit einer eigenen Praxis. Sie hat die SHI Homöopathie Schule absolviert und sich zusammen mit Dr. Jus stark für die Etablierung der Homöopathie in Armenien eingesetzt. Ausserdem hat sie die 1. Auflage des Buches „Die Reise einer Krankheit“ auf Russisch übersetzt. Das erste Mal erfuhren wir 1995 von Dr. Mohinder Singh Jus, als eine Gruppe Schweizer Homöopathen nach Armenien kam und uns Pädiater mit seiner wunderbaren Methode bekanntmachte. Der Zugang zum Homöopathie Studium bei Dr. Jus erschien jedoch ein Ding der Unmöglichkeit. Das wurde mir erst 1999 dank Herrn Haritun Kurtchuoglu und dem Verein „Noraluys“ möglich gemacht.

Das zweijährige Studium an der SHI Homöopathie Schule verflog sehr schnell. Dr. Jus stellte die Mittel so bildhaft vor, dass sie wie lebendige Gestalten vor uns standen. Seine scharfsinnigen Vergleiche und Beispiele werden für immer in meinem Gedächtnis bleiben. Keine Sekunde entfernte er sich von der Linie Hahnemann – Kent – Bose. Er zeigte praktisch, dass die Homöopathie sowohl eine Wissenschaft als auch eine Kunst ist. Eine Kunst im Umgang mit dem Patienten: Mit dem einen sprach er weich und tröstend, mit dem andern war er streng. Sofort sah er die Wurzel des Problems beim Patienten und versuchte es ihm klar zu machen. Im Gespräch mit dem Patienten machte sich Dr. Jus nie Notizen und benutzte auch kein Repertorium. Später im Hörsaal, wenn er mit uns Studenten den Fall besprach, wiederholte er Wort für Wort die Symptome des Patienten, ohne etwas auszulassen. Anschliessend ging er zur Differenzialdiagnostik über, ohne in der Materia Medica nachschauen zu müssen, das war seine Repertorisation. Und die Studenten bemühten sich all diese „goldenen Schätze“ sofort aufzuschreiben.

Ich erinnere mich an ein autistisches Kind, dem er Tarentula verordnete hatte. Das Kind war aktiv, unruhig und sehr empfindlich. Es hatte Angst vor Hunden. Wenn man das Kind nicht verstand oder wenn ihm etwas verboten wurde, begann es zu schlagen. Es schlug sich auch selbst. Besonders unruhig war es, wenn Gäste im Haus waren. Das Kind liebte Musik und wurde dadurch ruhig. Es tanzte und sang gerne. Dr. Jus verglich einige Mittel, machte Differenzialdiagnose, schloss Bufo (Bufo wird auch unruhig, wenn er nicht verstanden wird, aber hasst die Musik) und Stramonium (Das Kind hatte keine Angst vor Dunkelheit) aus. Dann verordnete er Tarentula C10`000. Nach sieben Monaten sahen wir das Kind wieder. Es hatte sich sehr verändert. Es war viel ruhiger geworden, konnte zählen, Buchstaben schreiben und seine Sprache war besser geworden. Es hatte weniger Angst vor Hunden und Musik hatte es immer noch gerne. Im Gegensatz zu früher war es jetzt gerne in Gesellschaft und war weniger unruhig, wenn Gäste da waren. Es gab auch keine Aggression mehr. Früher schlug es, wenn es nicht verstanden wurde, jetzt weinte es. Plötzlich begann es zu weinen, dann lachte es bis die Tränen kamen. „Abwechslungsweise lachen und weinen“ wie Tarentula, Stramonium, Nux moschata, Hyosciamus, Cannabis indica etc. Wie früher war es jedoch empfindlich auf Musik. Dr. Jus wiederholte Tarentula, doch diesmal in der Potenz C50`000, was eine deutliche Besserung hervorbrachte.

Dr. Jus war nicht nur ein hervorragender Homöopath, sondern auch ein grosser Philosoph. Schon beim Eintritt in den Hörsaal spürte er die Stimmung und Probleme seiner Studenten und begann die Vorlesung mit den passenden Worten. Ich werde nie die herzliche Atmosphäre vergessen, die Dr. Mohinder Singh Jus und seine Frau Martine Jus während meiner Studienzeit für mich erschufen. Die Türen für alle Seminare und Supervisionen waren für mich offen und alle Videoaufnahmen waren mir frei zugänglich. Nach meinem Studium ermöglichten sie mir auch Weiterbildungen. In der Folge besuchten Dr. Jus und seine Frau uns in Armenien um unentgeltlich ein fünftägiges Seminar durchzuführen. Ihr erster Besuch fand 2004 statt. Alle Homöopathen erwarteten sie mit grosser Begeisterung. Diese fünf Tage vereinigten die Homöopathen aller drei Homöopathie Vereine Armeniens, denn für alle war Dr. Jus eine Legende. Diejenigen armenischen Homöopathen, die das Glück hatten, an diesen Vorlesungen teilzunehmen, nannten sich fortan seine Schüler. Sie zitierten ihn gerne und werden immer an ihn denken. Sein Buch „Die Reise einer Krankheit“ ist inzwischen zu einem Handbuch für alle geworden. Auch in Russland ist es anerkannt und wird von den russischen Homöopathen gerade wegen des Teils über die Miasmen sehr geschätzt.

Ich danke meinem Schicksal für das Treffen mit für mich so wertvollen Menschen: Dr. Mohinder Singh Jus und Martine Jus.

Ich hoffe und bete, dass die Menschen weniger zögern, wenn es darum geht, anderen zu verzeihen und um Verzeihung für sich selbst zu bitten.
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